Tim Jansen's Blog (deutsch)


2006/01/31

Die UPnP AV Architektur (Teil 3)

(Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Thema des dritten und vorerst letzten Teils sind die bereits existierenden und für die nahe Zukunft angekündigten UPnP Geräte.

UPnP Hard- und Software

Ich habe in den beiden vorhergehenden Teilen darüber geschrieben, wie das UPnP AV Profil aufgebaut ist und welche Rollen es gibt. Dabei habe ich diverse Andeutungen darüber gemacht, dass verschiedene Geräte unterschiedliche Rollen annehmen und UPnP dadurch auch verschiedene Art und Weise bedient werden kann, bin aber nie darauf eingegangen. Hier will ich mir nun konkrete Hard- und Software vornehmen und erklären, wie diese aus UPnP Sicht eingeordnet werden kann.

Hardware

Network Media Receiver:

Der Terratec Noxon
Die derzeit mit Abstand beliebtesten UPnP Geräte sind Network Media Receiver (auch Media Adapter genannt). Bekannteste Beispiele sind wohl der Terratec Noxon, der D-Link DSM-320 und die Receiver der Philips Streamium Reihe, aber es gibt auch unzählige Geräte von meist kleineren Herstellern wie Kiss, DigitalRise und Roku. Man kann sie grob in 2-3 Kategorien einteilen. Es gibt Geräte mit eigenem Display, die meist nur Musik abspielen können, so wie den Noxon. Und es gibt Geräte zum Anschluss an den Fernseher, die auch fast immer Video-fähig sein. Bei letzteren kann man noch unterscheiden zwischen Modellen mit eingebautem DVD-Laufwerk (wie dem D-Link DSM-320RD) und solchen ohne (DSM-320).
Alle Receiver haben gemeinsam, dass sie Medien wiedergeben können und dem Benutzer eine eigene Oberfläche anbieten, entweder auf dem Fernseher oder dem eigenen Display, mit der er Medien von einem Server auswählen und abspielen kann. Dementsprechend sind sie sowohl MediaRenderer als auch Control Point. Viele Geräte lassen sich jedoch auch von einem anderen Control Point fernsteuern. Diese Funktion ist oft relativ fehlerhaft, da sie vom Hersteller kaum getestet wird, aber funktioniert erstaunlich häufig. Lediglich Philips propagiert dieses Feature und bietet spezielle Fernbedienungen an, so dass man bei den Streamium Geräten erwarten sollte, dass es reibungslos funktioniert.

Microsoft Xbox 360: Microsoft's Xbox 360 verhält sich im Prinzip wie die anderen Network Media Receiver, ist also MediaRenderer und Control Point, hat aber leider eine Einschränkung: sie kann keine Videos abspielen. Dies hat wohl eher geschäftliche Gründe als technische, da die Xbox video-fähig sein soll, wenn man sie als Windows Media Center Extender (MCE) benutzt. Und um einen MCE zu betreiben, braucht man die Windows Media Center Edition...

Oyster Lautsprecher: Ich hatte vor kurzem schon einen relativ begeisterten Eintrag über die angekündigte Oyster-Lautsprecherreihe verfasst. Diese sind die wären ersten mir bekannten reinen UPnP MediaRenderer. Die Lautsprecher werden per WLAN mit dem Netz verbunden. Man braucht dementsprechend nur einen passenden Control Point zur Steuerung, aber keinen Verstärker. Wenn es nun noch passende UPnP Fernseher gäbe, dann könnte man alle A/V-Geräte mit einer einzigen UPnP Fernbedienung steuern.

D-Link DSM-G600: Der D-Link DSM-G600 ist ein NAS System, quasi ein Festplattengehäuse mit WLAN und Ethernet Anschluss, das zusätzlich auch ein UPnP-MediaServer ist. Man baut also eine Festplatte in das Gerät ein, stellt es ins Netz, und schon können alle Control Points im Netzwerk die darauf gespeicherten Medien sehen und abspielen lassen. Mit den normalen File-System-Protokollen wie FTP kann man von einem Computer aus natürlich auch darauf zugreifen. Die Idee ist nicht ganz neu, man kann schon länger beispielsweise mit dem Linksys NSLU2 dasselbe tun, wenn man den Twonkyvision Server darauf installiert. Der DSM-G600 ist nur das erste Exemplar, dass hierzulande angeboten wird und diese Fähigkeit vorinstalliert mitbringt.

Philips RC9800i: Die Philips RC9800i ist eine UPnP-fähige WLAN Fernbedienung. Sie hat einen kleinen Bildschirm mit Touchscreen und unterscheidet sich vom Aussehen kaum von einem WLAN-fähigen PDA. Der Preis liegt auch etwa in der gleichen Höhe. Aus UPnP-Sicht ist die RC9800i ein Control Point, mit dem man Medien vom Server auswählen kann, um anschliessend einen MediaRenderer anzuweisen, diese abzuspielen. Ausserdem ist die Fernbedienung aber auch selbst ein MediaRenderer, damit man sich Bilder und Musik vorab auf der Fernbedienung ansehen bzw -hören kann.

Nokia N80: Sehr gespannt warte ich auf das Nokia N80, das noch in diesem Quartal erscheinen soll. Nokia wirbt damit, dass dieses Symbian Series 60 Telefon ausser WLAN- auch UPnP-fähig sein soll. Bislang habe ich noch nirgendwo eine genauere Beschreibung der UPnP-Fähigkeiten gesehen, aber es soll einen MediaServer haben, um die auf dem Telefon gespeicherten Dateien verfügbar zu machen. Wenn ich einen Vorabbericht richtig verstanden habe, kann man es auch als Control Point benutzen. Einen MediaRenderer scheint es dagegen leider nicht zu beinhalten. Ausser dem N80 wird auch das N92 als UPnP-fähig beworben, allerdings war über dieses Modell bislang noch weniger zu erfahren als über die UPnP-Fähigkeiten N80.

Sony PlayStation 3, Sony PSP: Es gibt verschiedene Berichte, dass die PlayStation 3 UPnP-fähig sein wird. Dazu gibt es noch keine Details - beispielsweise die Frage, ob sie ein MediaRenderer wird (um Filme aus dem Netz abzuspielen), MediaServer (für die PS3 Versionen mit Festplatte) oder gar beides. Zur Sony PSP gibt es einen Bericht, dass Sony auf der CES eine UPnP-fähige PSP-Version gezeigt haben soll. Diesem Bericht zufolge müsste die Firmware einen UPnP MediaRenderer und einen Control Point implementieren.


Software

Die meisten UPnP-AV-Programme sind MediaServer, die es erlauben, die auf dem Rechner gespeicherten Medien mit einem MediaRenderer anzuschauen bzw -hören. Ich werde mich daher auf 3 MediaServer beschränken, da ich alle bisher verfügbaren MediaServer für eher unspektakulär halte. Ausser MediaServern gibt jedoch auch einige Software-MediaRenderer und Control Points, die ich kurz vorstellen werde.

Twonkyvision TwonkyMedia Server:

TwonkyMedia Konfiguration per Webbrowser
Der wohl beliebteste UPnP Server ist derzeit der TwonkyMedia Server, den es für Windows, Macs und Linux gibt. Bis vor kurzem gab es eine kostenlose Version namens TwonkyMusic, die lediglich keine Video abspielen konnte und so sicherlich zur Beliebtheit beigetragen hat, aber seit Version 3.0 kostet die Musik-Version 15 EUR und die Vollversion 20 EUR. Der Twonkyvision fällt zumindest mir vor allem dadurch positiv auf, dass er der einzige Windows-Server ist, der nicht nervt und alle essentiellen Features hat. Die anderen Server sind entweder in andere Programme (wie die MusicMatch Jukebox) integriert, oder nerven einfach nur. Besondere Fähigkeiten gibt es kaum, aber er funktioniert mit vielen verschiedenen Clients und kann immerhin ein paar Musik-Formate wie FLAC in LPCM transkodieren.

GMediaServer: Der GMediaServer ist einer der wenigen freien Server, die es für Linux und andere Unix-Systeme gibt. Die Funktionalität ist sehr spartanisch. Man gibt ein paar Verzeichnisse per Kommandozeile an, diese er bildet er in einer simplen Verzeichnisstruktur ab und macht die Dateien per HTTP verfügbar - mehr nicht.. Aufgrund des Preises und der Einfachheit ist er im Moment der Server, den ich zuhause laufen habe. Freie Alternativen sind MediaTomb, der aber relativ kompliziert zu installieren ist, weil er eine Datenbank braucht; uShare, der auf GMediaServer basiert; und die beiden CyberMediaGate Server.

Windows Media Connect: Windows Media Connect von Microsoft ist ein MediaServer für das Windows Media System. Wer den Windows Media Player und die anderen Microsoft-Formate benutzt, für den wird er wohl erste Wahl sein. Ich fand es eher unpraktisch, diesen etwas unstabil wirkenden Server bei mir im System Tray herumhängen zu haben (zumal meine Musiksammlung ohnehin auf einem Linux-Server liegt). Bemerkenswert ist Windows Media Connect vor allem, weil er in das DRM-System von Microsoft integriert ist und man über diesen Server mit einem PlaysForSure-MediaRenderer auch DRM-geschützte Musik hören kann. Mangels PlaysForSure-Hardware habe ich dies aber noch nicht ausprobiert. In der nächsten Windows Media Player Version, WMP 11, soll der UPnP-Server übrigens integriert sein.

On2Share Winamp Plugin:

On2Share Winamp Plugin in Aktion
On2Share Pro ist zunächst einmal ein in den Windows Media Player integrierter Server, der mir dort mit seiner hässlichen Benutzeroberfläche und Penetranz ziemlich auf die Nerven geht. Das Packet beinhaltet seit kurzem aber auch ein unscheinbares, kleines Plugin für Winamp, mit dem Winamp als Control Point und MediaRenderer auf MediaServer zugreifen kann. Dessen Bedienung ist simpel und angenehm, und hervorragend zum Testen von Servern geeignet. Vor allem zeigt es auch, dass die Langsamkeit vieler Network Media Receiver beim Browsen durch den CDS nicht an UPnP oder den Servern liegt, denn mit dem On2Share-Plugin kann man das sehr flüssig.

Cidero UPnP AV Controller:

Cidero Controller Screenshot
Der einzige, mir bekannte, reine Software-Control Point zur Fernbedienung von UPnP MediaRenderern ist der Cidero Controller. Im Gegensatz zu anderen Programmen kann man damit selbst keine Medien abspielen. Stattdessen sucht man sich einen Server aus, wählt dort eine oder mehrere Titel, selektiert dann den passenden MediaRenderer und befiehlt diesem, den Titel abzuspielen. Jedenfalls vorrausgesetzt, der MediaRenderer hält sich an die UPnP-Spezifikation, was bei weitem nicht immer der Fall ist. Cidero ist in Java geschrieben und sollte somit praktisch überall funktionieren.

Rudeo Play & Control: Einen interessanten Eindruck macht Rudeo Play & Control für Pocket PCs (Windows CE), auch wenn ich es noch nicht ausprobieren konnte. Es ist ein Control Point und MediaRenderer für PDAs. Man kann dementsprechend mit seinem WLAN-fähigen PDA sowohl Musik hören als auch UPnP-Geräte fernbedienen.


Soviel zunächst einmal zum Thema UPnP. Ich habe mittlerweile einige neue UPnP-Geräte, über die ich in den nächsten Wochen schreiben werde. Ausserdem experimentiere ich gerade an einem UPnP-Server. Es wird allerdings noch etwas dauern, bis es dazu etwas zu berichten gibt.



2006/01/26

Die UPnP AV Architektur (Teil 2)


(Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Hier ist der zweite Teil meiner Einführung in die UPnP AV Architektur. Nachdem es im ersten Teil um UPnP ging, komme ich nun endlich zu den eigentlichen Funktionen des AV Standards. Ich plane ausserdem noch einen dritten Teil, in dem es um existierende und angekündigte Geräte gehen wird und vor allem darum, wie diese UPnP benutzen.

Der UPnP Audio/Video Standard

Der UPnP AV Standard dient dazu, dass Geräte über das Netzwerk Medien wie Musik, Videos und Bilder austauschen können. Die Medien können in Echtzeit gestreamt werden, beispielsweise wenn man sich per UPnP einen Film ansieht, der anderswo auf einem Server liegt. Es gibt aber auch die bislang kaum genutzte Möglichkeit, Medien von einem Gerät auf das andere zu kopieren. Beispielsweise könnte eine mit WLAN ausgestattete Kamera automatisch ihre Bilder auf einen Server kopieren, sobald sie im Netzwerk ihres Besitzers ist. Ebenso flexibel ist UPnP bei der Frage, wer von wo aus die Geräte bedient. Sowohl die teilnehmenden Geräte, als auch externe Programme oder Fernbedienungen, können theoretisch zur Steuerung benutzt werden.

Aufbau der Architektur

Das UPnP Modell kennt drei Rollen: das MediaServer Gerät, das MediaRenderer Gerät und den Control Point. Wenn man ein Stück UPnP-fähiger Hard- oder Software hat, dann nimmt diese gewöhnlich ein oder zwei dieser Rollen ein. Hier die Rollenverteilung im Detail:
  • MediaServer: Der MediaServer ist das Gerät, das die Medien bereithält. Wichtigster Service des MediaServers ist der Content Directory Service (CDS). Der CDS erlaubt es einem Control Point, die Medien des Servers in Verzeichnis-Form zu durchsuchen. Genau wie in einem Dateisystem gibt es Ordner, hier Container genannt, und Dateien, die im CDS Items heissen. Items können die für Medien üblichen Metadaten wie Titel, Autor, Genre usw haben. Ausserdem kann ein CDS es dem Control Point erlauben, anhand der Metadaten nach Items zu suchen. Dies wird jedoch nicht von jedem MediaServer unterstützt. Ebenso gibt es die bislang wenig genutzte Fähigkeit, neue Items und Container anzulegen. Dazu kann der Control Point dem MediaServer befehlen, von einer bestimmten URL die Daten downzuloaden, was bei UPnP als Import bezeichnet wird. Auch die andere Richtung ist möglich, genannt Export, bei dem der UPnP Server eine Datei per HTTP an eine URL schickt.
    Der zweite Service des MediaServers ist der ConnectionManager. Mit diesem kann man herausbekommen, mit welchen Geräten der MediaServer gerade verbunden ist und welche Formate und Protokolle er für MediaRenderer bereitstellen kann. Zusätzlich kann ein MediaServer den optionalen AVTransport Service zur Verfügung stellen. AVTransport erlaubt klassische HiFi-Kommandos wie 'Play', 'Pause' oder das Springen innerhalb eines Titels. Das ist vor allem gedacht für Geräte, die nicht mit Dateien arbeiten, sondern mit Quellen wie CDs oder Videobändern. Im Normallfall wird der AVTransport Service aber vom MediaRenderer implementiert, und der MediaServer verzichtet auf AVTransport.
  • MediaRenderer: MediaRenderer sind für die Anzeige oder Wiedergabe der Medien zuständig. Beispiele für reine MediaRenderer wären Monitore oder Lautsprecher, die statt den üblichen Eingängen aber Ethernet oder WLAN benutzen würden. Die Geräte, die man derzeit kaufen kann, sind keine reinen MediaRenderer, sondern zugleich auch Control Points. Der Media Renderer hat bis zu drei Services. Wie der MediaServer muss der MediaRenderer einen ConnectionManager Service haben, mit dem man seine Verbindungen kontrollieren kann. Ausserdem hat er den RenderingControl Service, mit dem Einstellungen wie Lautstärke und Kontrast gemacht werden können, je nach Art des Gerätes. Der dritte Service ist optional, und zwar der bereits erwähnte AVTransport Service für die Steuerung der Wiedergabe.
  • Control Point: Der Control Point repräsentiert die Benutzeroberfläche und kommuniziert dazu mit MediaServer und MediaRenderer. Um einen Titel zu spielen sucht man mit dem Control Point normalerweise durch den CDS des MediaServers bis man den Titel gefunden hat. Wenn man ihn dann abspielen will, wird der Control Point mit den ConnectionManagern von MediaServer und MediaRenderer Kontakt aufnehmen und die beiden davon überzeugen, dass der MediaRenderer den Titel vom MediaServer spielt. Drückt der Benutzer auf die Pause-Taste oder benutzt eine andere Funktion zur Veränderung der Wiedergabe, wird der Control Point das entsprechende Kommando an den jeweiligen AVTransport Service senden. Ebenso können Einstellungen wie Lautstärke und Helligkeit vom Control Point mit dem RenderingControl Service verändert werden.


Transport und Formate

Die eigentliche Kommunikation zwischen MediaRenderer und MediaServer wird von UPnP nicht direkt festgelegt. Die UPnP-Spezifikation macht keinerlei Vorgabe darüber, wie die Medien von Server zu Renderer transportiert werden sollen, noch welche (Audio-, Video- etc) Formate zu unterstützen sind.
Es ist letztenendes die Aufgabe des Control Points, die unterstützten Formate der beiden Geräte abzugleichen und ein passendes auszuwählen. Und es ist Aufgabe des Besitzers, sich nur solche Geräte anzuschaffen, die miteinander klarkommen, indem sie mindestens ein gemeinsames Format verstehen. Die Spezifikation benutzt in den meisten Beispielen HTTP als Protokoll, und ich habe auch noch von keinem UPnP-Gerät gehört, das mit HTTP nicht zurechtkommt. HTTP ist zwar nicht unbedingt optimal zum Streamen von Medien, aber es ist simpel und funktioniert in den meisten Fällen gut genug.
Das zweite in der Spezifikation beschriebene Protokoll ist RTSP. RTSP ist im Gegensatz zu HTTP fürs Streaming konzipiert, ist aber auch deutlich komplizierter und funktioniert im Gegensatz zu HTTP nicht mit jedem File-Format.
Da nicht jeder MediaRenderer jedes Format versteht, kann ein MediaServer laut UPnP-Spezifikation auch Medien in Echtzeit in ein anderes, vom MediaRenderer verstandenes Format transkodieren. Das ist vor allem bei Audio-Daten eine relativ einfache Lösung für das Formatchaos, wird bei Videos aber derzeit noch sehr viel Rechenleistung benötigen.

Digital Living Network Alliance (DLNA)

Die DLNA ist ein weiteres Firmenkonsortium, welches Interoperabilitätsrichtlinien festlegt und Geräte zertifiziert. Die beiden ersten Geräteklassen, für die Richtlinien herausgegeben wurden, sind Digital Media Server und Digital Media Player. Beide basieren auf dem UPnP AV Standard, und geben unter anderem das Minimum der zu unterstütztenden Transportprotokolle und Formate an. So müssen alle DLNA-zertifizierten Geräte LPCM (unkomprimierte) Audiodaten verarbeiten können. Als Mindest-Videoformat ist MPEG2 vorgeschrieben. Mit einem transkodierendem Server sollte man daher jedes mögliche Format in guter Qualität auf einem DLNA-Gerät konsumieren können, jedenfalls wenn es nicht einen Haken gäbe: die meisten Server können derzeit entweder gar nicht transkodieren, oder verstehen nur wenige Formate. Langfristig sind die DLNA Richtlinien aber sicherlich eine gute Idee.


zu Teil 3.



2006/01/23

Die UPnP AV Architektur (Teil 1)


(Teil 1, Teil 2, Teil 3)
Da den meisten Lesern wohl nicht ganz klar ist, was ein UPnP-fähiges Gerät ist, wie UPnP funktioniert und was ein solches Gerät können sollte, wollte ich hier eine Einführung in die UPnP AV Architektur schreiben. Der erste Teil über UPnP selbst ist allerdings schon deutlich länger ausgefallen, als ich ursprünglich erwartet habe. Daher veröffentliche ich diesen Teil jetzt, und der Rest kommt dann in 1-2 weiteren Teilen im Laufe der Woche.

UPnP (Universal Plug and Play)

UPnP ist ein von einem Firmenkonsortium um Microsoft und Intel ins Leben gerufener Standard, der die Kommunikation zwischen Netzwerkgeräten aller Art vereinfachen soll. Der UPnP-Standard selbst beinhaltet praktisch keine Funktionen an, sondern dient vielmehr als Basis für die verschiedenen UPnP-Profile. Je nachdem, wo man nachliest, gibt es verschiedene Namen für das, was ich hier "Profil" nenne: in alten UPnP Texten werden sie als Device Control Protocol (DCP) bezeichnet. In neueren heissen sie Device Standard.
Ich bleibe hier erstmal bei "Profil". Profile werden gewöhnlich vom UPnP Forum definiert und beschreiben die Schnittstelle, die eine bestimmte Geräteart zu Verfügung stellen muss. UPnP-Geräte mit gleichem Profil sollten untereinander kompatibel sein, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen. In der Praxis ist das leider nicht immer so einfach, aber meistens funktioniert es. Beispiele für UPnP-Profile sind das Printer-Profil für Drucker, das sehr weit verbreitete IGD (Internet Gateway Device) Profil für Internet-Router, und das hier beschriebene AV Profil für Geräte, die mit Audio oder Videodaten hantieren. Dementsprechend gibt es auch keine Geräte, die einfach nur UPnP implementieren, sondern sie implementieren immer auch mindestens ein Profil. Leider geben die meisten Hersteller nicht an, welches Profil ein Gerät unterstützt, sondern zeigen einfach nur das wenig aussagekräftige UPnP Logo. Man muss es also gewöhnlich anhand der Art des Gerätes erahnen.

UPnP Funktionen

Folgende Funktionen werden im UPnP Basisstandard (genannt UPnP Device Architecture) definiert und müssen von jedem UPnP Gerät beherscht werden:

  1. Das Icon eines UPnP Gerätes
    Das Finden von Geräten im Netz. Man muss also nicht zwangsläufig die Adresse eines Gerätes wissen und irgendwo eingeben, sondern kann sich eine Liste aller UPnP-Geräte angezeigen lassen. Bei Windows XP bemerkt man diese Funktion sofort, wenn man ein neues UPnP-Gerät anschliesst, denn es taucht dann automatisch als Icon in der Netzwerkumgebung auf.
    Das Protokoll, dass dies möglich macht, heisst SSDP und basiert auf einer recht merkwürdigen HTTP-Abart namens HTTPU bzw HTTPMU.
  2. Die Beschreibung des Gerätes. Diese umfasst den Namen des Gerätes, sein Icon und einen Link auf eine Präsentationsseite des Gerätes, die man im Browser anschauen kann. Wenn man in Windows XP das Icon eines UPnP-Gerätes doppelklickt, dann kommt man auf genau diese Seite. Üblicher Weise kann man dort sein Gerät konfigurieren. Die Geräte-Beschreibung beinhaltet ausserdem eine Auflistung aller Profile des Gerätes bzw der daraus resultierenden Fähigkeiten
    (genannt Services). Die Beschreibungen liegen in einem XML-Format vor.
  3. Ein System für Benachrichtigungen, dass von den Services der Profile benutzt werden kann. Ein Beispiel für eine Benachrichtigung ist eine Nachricht, wenn ein Drucker fertig geworden ist. Das Protokoll nennt sich GENA und wird auch von SSDP benutzt.
  4. Ein System zum Verschicken von Kommandos an ein Gerät. Wenn
    beispielsweise im Lighting Controls-Profil eine Fernbedienung eine Lampe anschalten will, dann schickt sie ein entsprechendes Kommando an die Lampe (beziehungsweise deren Schalter). Das Protokoll für Kommandos ist SOAP.


UPnP Begriffe


Präsentationsseite eines Terratec Noxons
Bevor ich über das AV-Profil selbst schreibe, hier noch die drei wohl
wichtigsten Begriffe der UPnP-Architektur:
  • Device (Gerät): Diesen Begriff kann man sich weitestgehend als kleinen Kasten mit Netzwerkanschluss oder Antenne, also als physisches Gerät, vorstellen. Der UPnP Standard erlaubt auch Spezialfälle, die mehrere Funktionen vereinen, wie Drucker/Scanner-Kombigeräte, aber für den AV-Standard sind diese nicht so wichtig. Geräte verhalten sich im UPnP-Standard passiv, dass heisst sie empfangen nur Kommandos vom Control Point (s.u.), nehmen aber niemals von sich aus Kontakt zum Control Point oder zu anderen Geräten auf.
  • Control Point: die Control Points sind der aktive Gegenpart zum Gerät. Von der Funktion her kann man sie als eine Art Fernbedienung betrachten. Der Control Point kann Geräte suchen, deren Status überwachen und Kommandos an diese schicken. Im Gegensatz zu Geräten kann man die Control Points selbst nicht im Netzwerk suchen, und sie können auch keine Kommandos empfangen.
    Ein Control Point könnte als richtige Fernbedienung mit kleinem Bildschirm und WLAN implementiert werden, aber heutzutage sind Control Points meistens Programme, die auf einem Computer laufen. Beispielsweise ist der Druckertreiber ein Control Point für einen UPnP-fähigen Drucker. Speziell für das AV-Profil ist es wichtig zu wissen, dass ein Control Point auch in einem Gerät integriert sein kann.
    Control Points müssen immer für ein oder mehrere Profile (oder genaugenommen Services eines Profiles, s.u.) entwickelt werden. Man kann also mit einem Control Point für Drucker keine Lichtschalter anschalten.
  • Service: Ein Service ist eine Sammlung von Kommandos und
    Ereignissen, die ein Gerät unterstützt. Services werden von den Profilen beschrieben und von den Geräten zur Verfügung gestellt. Dabei werden in manchen Profilen, insbesonders dem AV-Profil, mehrere Services beschrieben und Geräte können mehrere Services implementieren, abhängig von der Art und den Fähigkeiten des jeweiligen Gerätes.


Sicherheit

Und noch ein letztes Wort zum Thema Sicherheit: UPnP ist in erster Linie für den Einsatz zuhause gedacht. Es gibt bei normalen UPnP-Geräten keine Authentifizierung, keine Passwörter, nichts dergleichen. Jeder, der sich im lokalen Netz befindet, kann auf jedes Gerät zugreifen und dort auch alles mit diesen tun. Systeme ausserhalb dieses Netzes, also vor allem solche im Internet, haben dagegen keine Rechte und können im Normalfall auch gar nicht erst auf UPnP-Geräte zugreifen. Im hauseigenen LAN sollte das Fehlen eines Berechtigungssystems kein Problem sein und macht UPnP Geräte wesentlich einfacher zu handhaben. Man sollte seine UPnP Geräte jedoch nicht in ein Netzwerk stellen, das auch anderen zugänglich ist (offener WLAN Hotspot, Campus-Netzwerk etc) - jedenfalls nicht ohne die UPnP-Geräte durch durch eine Firewall oder ähnliches vom nicht-vertrauenswürdigen Netz abzuschirmen.

zu Teil 2.



2006/01/18
Oyster WLAN UPnP Lautsprecher

Die australische Firma Avega hat genau das vorgestellt, worauf ich (neben einem digitalen Küchenradio) schon seit Ewigkeiten warte: Eine Serie mit WLAN ausgestatteter, UPnP-fähiger Lautsprecher namens Oyster. Die ersten Modelle sind leider mit $3000 nicht gerade günstig, aber im 3. Quartal sollen Oyster Stereo-Systeme für $300-400 erscheinen. Auch sollen sie neben dem üblichen Formaten (MP3, WMA, WAV) Ogg Vorbis und FLAC
unterstützen - was mir sehr entgegen kommt, da ich gerade meine
Musiksammlung im FLAC-Format neu rippe. Ein wenig gespannt bin ich darauf, wie die angekündigte Synchronisation zwischen den einzelnen Lautsprechern funktionieren soll, insbesonders bei dem ebenfalls möglichen 7.1 Oyster System.
Ich werde in den nächsten Tagen mal eine Einführung in das UPnP AV System schreiben, damit vielleicht mehr Leute meine Begeisterung für solche Geräte teilen. :)



2006/01/14
Napster
Wo ich doch gerade wieder mal am Schreiben bin, sollte ich auch noch kurz von meinen Napster-Erfahrungen berichten, da ich seit kurz vor Weihnachten Napster-Kunde bin.

Napster Screenshot
Das "neue" Napster hat nicht viel mit dem alten, illegalen Filesharing-System zu tun. Vielmehr ist es ein Online-Shop, im Prinzip vergleichbar mit Apple's iTunes und Musicload. Der Unterschied ist nur, dass Napster eine "Musik-Flatrate" anbietet: man zahlt 10 EUR im Monat und kann dafür soviel Musik hören wie man will. Wahlweise kann man die Musik entweder downloaden oder einfach nur von Napster streamen. Da die Dateien DRM-verseucht sind und sie nach Kündigung des Abos nicht mehr funktionieren, macht der Download meiner Meinung nach wenig Sinn. Bestenfalls entfält bei lokalen Dateien die Wartezeit beim ersten Titel einer Playlist, während sonst der Stream geöffnet wird. Im Gegenzug wird bei lokalen Dateien teilweise aber die Lizenz des Benutzers online überprüft, so dass es hier ebenfalls zu Verzögerungen kommen kann. Ausserdem hatte ich bei der Lizenzüberprfüfung immer wieder Probleme (Napster-Bug).

Die Auswahl bei Napster ist, wie bei allen Musikportalen, immer noch begrenzt. Eines der grossen Major-Labels (EMI) hat meines Wissens immer noch keinen Vertrag mit Napster, aber scheinbar bringt EMI ohnehin nichts raus, was mich interessiert. Manche kleinere Labels sind verfügbar, andere nicht. Dass ein Label verfügbar ist heisst jedoch noch nicht, dass man auch alles von ihm bekommt. Bei Alben, die schon ein paar Jahre älter sind, muss man schon etwas Glück haben. Manchmal sind die Alben vollständig da, manchmal nur teilweise und oft fehlen sie auch einfach ganz. Importe gibt es gar nicht, soweit ich das sehen kann.

Bislang bereue ich meine Mitgliedschaft trotz des beschränkten Angebots nicht. Einfach einen Titel, den man gerade hören will, einzutippen und ihn dann (mit etwas Gl¨ck) zwei Mausklicks später ohne weitere Kosten hören zu können, das ist etwas, was ich jetzt schon nicht mehr vermissen möchte. Ein Ersatz für den Kauf von CDs ist es jedoch nur in seltenen Fällen. Dafür müsste ich die Musik auch auf meinem Telefon oder meinem Netzwerk-Receiver hören können.



Sonic Impact T-Amp
Aufgrund meiner Wohnzimmer-Umorganisation hatte ich das Problem, die in meinem neuen Schlafzimmer bereits hängenden, passiven JBL Control Lautsprecher mit Ton zu versorgen, ohne mir gleich wieder einen "richtigen" Verstärker kaufen zu müssen. Geräten wie den Terratec Noxons fehlt leider der Verstärker. Die einzig mir bekannte Ausnahme ist der Sonos ZonePlayer, der aber auch seine $500 kostet, zumal das Sonos-System selbst recht exotisch ist.

T-Amp von vorne
Kurz gesagt, ich benötigte einen möglichst simplen, unauffälligen und billigen Verstärker. Eine Zeit lang hatte ich mit der Idee gespielt, irgendwelche Conrad-Bausätzen zu nehmen oder einen Auto-Verstärker zu kaufen, aber ich bin wirklich kein grosser Bastler. Zum Glück fiel mir wieder
dieser BoingBoing-Eintrag über den Sonic Impact T-Amp ein. Der T-Amp ist ein kleiner, batteriebetriebener Digital-Verstärker, der vor allem dadurch Aufsehen erregt hat, dass er von der Klangqualität mit High-End-Verstärkern mithalten kann. Vorausgesetzt jedenfalls, dass man nicht mehr als 11 Watt an Leistung benötigt. Statt Batterien kann man ihn auch per Netzteil betreiben, was ich bislang noch nicht ausprobiert habe, aber langfristig auf jeden Fall machen werde. Das Beste am T-Amp sollte ich auch noch erwähnen: er kostet nur etwa 40 EUR (zB auf eBay).

T-Amp von hinten
Über den T-Amp selbst gibt es gar nicht so viel zu schreiben. Er ist ausgesprochen simpel: das analoge Audiosignal kommt rein über einen 3.5mm Klinkenstecker. Die beiden Lautsprecher werden über 4 Klemmen angeschlossen. Einziges Bedienelement ist ein Drehregler, mit dem man sowohl die Lautstärke regulieren und als auch (durch die Nullposition) den Verstärker ausschalten kann. Die Klangqualität kann ich nicht beurteilen. Ich konnte keinen Unterschied zu meinem fast 10-mal so teuren AV-Verstärker feststellen, aber das heisst bei mir nicht viel. Die maximale Lautstärke, die ich mit meinen 4 Ohm Lautsprechern erreichen könnte, geht weit über das hinaus, was ich meinen Nachbarn zumuten würde. Von daher ist die Leistung für mich auch kein Problem. Vielleicht wäre es aber eines mit 8 Ohm Lautsprechern, denn für diese soll das "audiophile" Maximum nur 6 Watt betragen.

Insgesamt habe ich 3 Probleme mit dem Konzept:
  1. Es ist etwas ungünstig, dass man mal wieder ein zweites Gerät neben seinem Audio-Netzwerk-Receiver hat. Alles in einem Gerät wäre schon praktischer. Oder wenigstens die Möglichkeit, den Verstärker fernzubedienen.
  2. Ich fühle mich schlecht dabei, wenn das Audiosignal analog zum Verstärker übertragen wird. Ich habe keine Ahnung, wie ein Digitalverstärker intern funktioniert, aber es würde logischer klingen, wenn man den Audio-Quelle digital (also per SP/DIF oder TOSLINK) anschliessen könnte.
  3. Das Gehäuse ist hässlich und unpraktisch. Im Netz gibt es Berichte von Leuten, die ihrem T-Amp ein anderes Gehäuse gebastelt haben, aber das ist halt nichts für mich...

Wenn man von diesen 3 Punkten absieht, bin ich bislang ganz zufrieden.



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